2026-01-26 12:15:00
Der Gold-Preis hat die nächste Marke durchbrochen. Erstmals kostet eine Feinunze mehr als 5000 Dollar. Das neue Rekordhoch könnte nur ein Zwischenstopp sein.
Ich muss ja gestehen, dass ich der Prognose auch nicht so ganz getraut habe: Im Jahr 2020 sagten Ronald-Peter Stöferle und sein Team im „In Gold we trust“-Report einen Goldpreis von 4900 Dollar für 2030 voraus. Unter anderem standen in dem Report folgende Zitate – sie sind gut gealtert, wie man so schön sagt:
- „Die Frage lautet nicht, ob der Goldpreis neue Allzeithochs erreichen wird, sondern wie hoch diese ausfallen werden.“
„Aufkeimende Inflationsrisiken werden aufgrund der Überschuldung nicht mit merklichen Zinserhöhungen bekämpft werden können.“
„In der neuen währungspolitischen Weltordnung wird Gold als staatenlose Reservewährung wieder eine bedeutende Rolle spielen.“
Doch Stöferle und sein Team waren zu pessimistisch: Gold hat das Kursziel bereits gut vier Jahre früher erreicht. Sogar die Marke von 5000 Dollar ist inzwischen gefallen.
Über den Autor
Clemens Schömann-Finck ist Finanz-Experte und steht hinter dem YouTube-Kanal “René will Rendite” und der Webseite “Money + Mind”. Bei “Money + Mind” geht es um langfristige Geldanlage und einen gesunden Umgang mit Geld.
Wie geht es nun weiter? Das neue Rekordhoch könnte nur ein Zwischenstopp gewesen sein.
Gold bald bei 8900 Dollar?
Der „In Gold we trust“-Report formulierte vor sechs Jahren neben dem Basisszenario noch eine zweite Prognose für 2030: In einem „inflationären Szenario“ könnte demnach der Goldpreis bis auf 8900 Dollar steigen. Die Anzeichen für ein solches Szenario verdichten sich: Die Geldmenge Geldmenge steigt, die Staatsverschuldung. Auch an den Anleihenmärkten zeigen die hohen Renditen für Staatsanleihen mit langer Laufzeit an, dass die Investoren eine höhere Inflation in den kommen Jahren erwarten. Der Goldpreis ist inzwischen auf den Pfad dieses Szenarios eingebogen.
Mark Valek, einer der Mitautoren des „In Gold we trust“-Reports, schrieb kürzlich in einem Post auf LinkedIn sogar:
„Sollte es über das inflationäre Szenario hinaus zu einer tiefergehenden Neuordnung des Währungssystems kommen und Gold wieder zunehmend monetären Stellenwert gewinnen – etwa als Reserve- oder Settlement-Asset in einem fragmentierten System –, sind noch deutlich höhere Kursniveaus plausibel.“
Der Bitcoin schaut nur zu
Was mich allerdings irritiert: Der Bitcoin profitiert momentan überhaupt nicht von dieser Stimmung – im Gegenteil. Nach einem kurzen Zwischenhoch steht er sogar wieder unter der Marke von 90.000 Dollar. Theoretisch müssten viele der Gründe, die gerade für Gold sprechen – vor allem die Angst vor Inflation – auch ein Argument für Bitcoin sein. Dass die Kryptowährung davon nicht profitieren kann, heißt entweder, dass Bitcoin noch nicht als ein wirksamer Schutz gesehen wird oder dass wir bei Gold eine spekulative Übertreibung sehen.
Ich tendiere eher zu Letzterem und wäre jetzt vorsichtig mit größeren Käufen. Man unterschätzt oft die Anpassungsreaktionen auf eine Entwicklung. Es wäre doch verwunderlich, wenn der gestiegene Goldpreis keine Folgen hätte. Ich denke da zum Beispiel an die Schmucknachfrage, auf die ungefähr 40 bis 50 Prozent der Produktion entfallen, oder an die Notenbanken, die vielleicht auch nicht bereit sind, zu jedem Preis zu kaufen.

Wichtig ist, besonnen zu bleiben und nicht euphorisch zu werden. Auch Gold ist nicht vor Korrekturen geschützt.







