2026-02-01 07:01:00
Ab Februar gibt es weniger Geld für den privaten Solarstrom. Nach den Plänen der Bundesregierung könnte das 2027 sogar komplett wegfallen – warum sich eine PV-Anlage trotzdem lohnen kann.
Berlin – Wer eine Solaranlage auf dem Dach oder Balkon hat und überschüssigen Strom ins Netz leitet, erhält aktuell 7,86 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Ab dem ersten Februar sinkt die sogenannte Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf 7,78 Cent für Anlagen bis zu zehn Kilowattpeak (kWp) Leistung, wenn nur ein Teil des produzierten Stroms abgegeben wird. Wer alles ins Netz leitet, der bekommt statt bislang 12,47 Cent ab dem nächsten Monat noch 12,35 Cent pro kWh.
Durch die Vergütung wollte der Bund den Einbau von Solaranlagen fördern. Aus Sicht von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche scheint das aber zum Problem zu werden. Im Monitoringbericht des Wirtschaftsministeriums heißt es, dass durch die vielen kleinen PV-Anlagen eine große Menge nicht steuerbaren Stroms ins Netz gerate. „An sonnenreichen Tagen mit geringer Last kann dies zu Netzengpässen führen“, so der Bericht. Deshalb sei es womöglich notwendig, die Vergütung für jeden durch „leistungs- oder kapazitätsbezogene Prämien“ zu ersetzen. Heißt: Die EEG-Einspeisevergütung könnte schon bald Geschichte sein. Dabei gibt es auch andere Lösungen zur Regulierung von Stromeinspeisung. Etwa den Einsatz sogenannter Smart-Meter.
EEG-Einspeisevergütung sinkt – Lohnt sich eine PV-Anlage trotzdem?
Laut dem Energieversorger 1komma5° könnte die staatliche Förderung bereits im Jahr 2027 enden, wenn die Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD das Erneuerbare-Energien-Gesetz noch 2026 anpasst. Das könnte Betreibern von PV-Anlagen Hunderte von Euro im Jahr kosten. Bei einer Maximalleistung von rund 10.000 kWh produziertem Strom jährlich und einem Einspeiseanteil von 70 bis 80 Prozent könnten PV-Besitzer ohne intelligente Steuerung 550 und 620 Euro im Jahr verlieren. Aufsmmiert auf eine Laufzeit von 20 Jahren wäre das ein Verlust von 11.000 bis 12.500 Euro, so 1komma5°.
Das Ende der Einspeisevergütung gelte aber nur für Anlagen, die nach der Abschaffung in Betrieb genommen werden. Wer sich vorher noch für eine PV-Anlage entscheidet, dem sichert das EEG eine Förderlaufzeit von 20 Jahren zu.
| 0-10 kWp | 7,78 Cent / kWh | 12,35 Cent / kWh |
| 10-40 kWp | 6,73 Cent / kWh | 10,35 ct/kWh |
| 40-100 kWp | 5,50 Cent / kWh | 10,35 Cent / kWh |
Quelle: ADAC
Die EEG-Einspeisevergütung – ein Erfolgsmodell für den Energiewandel
Erstmals eingeführt wurde die EEG-Einspeisevergütung im Jahr 2000. Die Auszahlungen für eingespeisten Strom sind im Laufe der Jahre massiv zurückgegangen. Nachdem die Preise pro kWh seit der Einführung (50,62 Cent) im Jahr 2004 auf 57,4 Cent anstiegen, sind sie im Laufe der Zeit massiv zurückgegangen. Den niedrigsten Preis erhielten PV-Besitzer bislang im Jahr 2022 mit 6,24 Cent pro kWh.
In dem damaligen Gesetzesentwurf, eingereicht von SPD und Grünen, hieß es: „Das Gesetz verfolgt aus Gründen des Klima– und Umweltschutzes das Ziel der Verdoppelung des Anteils erneuerbarer Energien an der Elektrizitätserzeugung bis zum Jahr 2010.“ Um erneuerbare Energien zu einem „wesentlichen Standbein“ der deutschen Energieindustrie zu machen und einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen zu garantieren, pochte man auf die Einführung eines staatlichen Zuschusses.
Den Erfolg des EEG kann man heute in Zahlen betrachten. Im Jahr 2025 lag der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland bei 55,9 Prozent des gesamten Strommixes. Das hatte das Frauenhofer-Institut zu Beginn des Jahres errechnet.
Heftige Kritik an Reiche: Ende der EEG-EInspeisevergütung sorgt für Ärger
Dass die Vergütung von eingespeistem Solarstrom enden soll, hat bei Verbraucherschützern für Kritik gesorgt. „Private Haushalte leisten mit Photovoltaikanlagen auf dem eigenen Dach bereits heute einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende. Die Einspeisevergütung sollte daher nicht ersatzlos gestrichen, sondern weiterentwickelt werden“, sagte etwa Ramona Pop, Chefin des Bundesverband der Verbraucherzentralen, der Rheinischen Post.
Auch von den Grünen hagelt es Kritik an den Plänen von MInisterin Reiche. „Die Freunde der dezentralen Energiewende in Bürgerhand müssen jetzt aufstehen. Egal ob Kommunen, Unternehmen, Landwirte und Klimaschützer – Reiches Politik hat viele Verlierer“, warnte Sven Giegold, stellvertretender Grünen-Bundesvorsitzender, im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen. (Quellen: 1komma5°, ADAC, Fraunhofer-Institut, Bundeswirtschaftsministerium, Bundestag.de, Rheinische Post, Augsburger Allgemeine) (nhi)