Berlin’s Ruthless Vietnamese Mafia: An Investigation

2026-01-17 20:02:00

Berlin – Ein schiefer Flachbau in Berlin-Lichtenberg zwischen grauen Plattenbauten. Bei Google wird der Ort als „Bar“ bezeichnet. Alles ist dunkel, doch die Klingel funktioniert. BILD-Besuch in einem mutmaßlichen Treffpunkt der vietnamesischen Mafia!

Ein Mann um die 30 öffnet die Tür. Zerschlissene Stühle, Tische, schummriges Licht. „Das hier ist nicht öffentlich, das hier ist ein Laden von Vietnamesen“, sagt er. Verkaufen sie was? „Nein, nein, wir treffen uns hier.“

Unscheinbare Flachbauten neben Lichtenberger Platten. Hier fand die Razzia statt

Foto: Til Biermann

BILD weiß: Vor mehr als einem Jahr gab es hier eine Razzia, ein Einsatzkommando der Polizei kam spätabends, sprengte die Tür auf, um einen Verdächtigen festzunehmen. Schüsse weckten die Nachbarn.

BILD klingelt ein weiteres Mal an der „Bar“. Diesmal öffnet ein anderer Mann. Thaan (40) ist vor kurzem aus Vietnam gekommen, kann nur etwas Englisch, ist ein freundlicher, etwas schüchterner Mann. „Ich bin erst seit einem Monat hier, schlafe hier“, sagt er. Von dem Polizeieinsatz weiß er nichts. „Aber schau mal, hier ist die Tür noch kaputt“, sagt er und zeigt dürftig reparierte Stellen.

Hier wurde von einem Einsatzkommando der Polizei die Tür aufgebrochen

Hier wurde von einem Einsatzkommando der Polizei die Tür aufgebrochen

Foto: Til Biermann

Macheten-Angriff vor Dong Xuan Center

Bei dem Zugriff war ein Verdächtiger festgenommen worden. Dao L. (39) soll im März 2024 bei einem Macheten-Angriff am Dong Xuan Center, dem Großhandelszentrum der Vietnamesen in Lichtenberg, beteiligt gewesen sein.

Die auf die Festnahme folgende Gerichtsverhandlung im November 2025 ermöglichte einen seltenen Einblick in die abgeschotteten Strukturen kriminell organisierter Vietnamesen.

Der Angeklagte, kräftig, rasierte Seiten, Tätowierungen auf den Händen, sagt via Dolmetscher: „Ich mache einfache Arbeit und Gelegenheitsjobs, verdiene 500 bis 700 Euro im Monat. Ich übernachte bei Bekannten, mal bei dem, mal bei anderen. Seit mehr als drei Jahren in Deutschland. Ich möchte hier arbeiten gehen, um meiner Familie zu Hause helfen zu können.“

Ihm und weiteren Mittätern wird vorgeworfen, mit einer Machete, offenbar im Auftrag, auf seine zwei Landsmänner D. (37) und K. (38), eingehackt zu haben. Hintergrund der Tat: vermutlich Glücksspiel-Streitigkeiten.

Verhandlung am Strafgericht in Berlin. Der Angeklagte Dao L. (39) steht links. Er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt

Verhandlung am Strafgericht in Berlin. Der Angeklagte Dao L. (39) steht links. Zeugen erinnern sich an nichts

Foto: Til Biermann

Die Opfer D. und K. wollen sich im Zeugenstand an nichts mehr erinnern können. Beide versuchen, den Blick des Angeklagten zu meiden. „Die Truppe“ hätte sie zum Dong Xuan Center beordert, aber wer diese „Truppe“ sei, wüssten sie nicht mehr.

Der Staatsanwalt hakt bei K. nach: Im Krankenhaus nach der Attacke habe K. noch gesagt, so steht es in den Akten: „Ich habe immer noch Angst, ich bitte um Schutz der Polizei. Zur Bande gehören auch Vietnamesen aus Polen und Russland. Ich denke, unser Leben ist in Gefahr.“ Jetzt im Zeugenstand flüchtet K. aus: „Ich möchte nur ein friedliches Leben führen und arbeiten, damit ich meiner Familie helfen kann.“

Dem Richter genügten trotz des Schweigens der Zeugen letztendlich die Aufnahmen einer Überwachungskamera, die Schläge mit einer Machete zeigten. Dao L. wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt.

Unterdessen berichtete der „RBB“, dass hunderte Berufsschüler, die aus Vietnam für eine Ausbildung nach Berlin gekommen waren, spurlos verschwunden sind.

Der Verdacht: Sie müssen ihre Vermittlerkosten von bis zu 20.000 Euro schwarz in Küchen, Nagelstudios und Bordellen abarbeiten. BILD berichtete bereits vor Jahren über verschwundene Vietnam-Kinder.

Das Dong Xuan Center in Berlin-Lichtenberg ist das Zentrum der Vietnamesen in Berlin. Hier gab es auch schon Einsätze gegen Schleuserbanden

Das Dong Xuan Center in Berlin-Lichtenberg ist das Zentrum der Vietnamesen in Berlin. Hier gab es auch schon Einsätze gegen Schleuserbanden

Foto: Til Biermann

Prostitution in Wohnungen

Recherchen am Dong Xuan Center und die Gerichtsverhandlung zeigen: Vietnamesen in Berlin sind eine sehr verschlossene Gemeinschaft. Ein Berliner Anwalt zu BILD: „Der Unterschied zur sonstigen Clan-Kriminalität ist, dass die vietnamesischen Geschäfte im Verborgenen geführt werden. Die klären das intern.“

Plakat im Dong Xuan Center: Hier wirbt eine Firma für die Vermittlung von vietnamesischen Fachkräften und Auszubildenden nach Deutschland

Plakat im Dong Xuan Center: Hier wirbt eine Firma für die Vermittlung von vietnamesischen Fachkräften und Auszubildenden nach Deutschland

Foto: Til Biermann

Besonders jüngere, illegal nach Deutschland gebrachte Frauen müssen die Kosten für ihre Schleusung oft in Wohnungsbordellen im Ostteil der Stadt abarbeiten. Vermittelt wird die Zwangsprostitution über Internet-Portale. „Die empfangen bis zu zehn Kunden am Tag, machen auch oft alles ohne Kondom. In der Regel läuft das Geschäft 60/40. 60 Prozent für die Prostituierte, 40 Prozent für den Organisator.“, so der Anwalt.

Und weiter: „Oft sind es Wohnungen, in denen eigentlich ein Bürgergerld-Empfänger gemeldet ist, der dann zu seiner Freundin zieht. Den lässt man in der Regel im Unklaren darüber, was mit seiner Wohnung passiert.“

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