2026-01-23 06:50:00
Die Zinsen für Japans Staatsanleihen schnellen seit Wochenbeginn nach oben, weil ihre Besitzer sie möglichst schnell verkaufen wollen. Schuld ist die Politik der Regierung, die wohl neue Schulden bedeuten wird. Das hat globale Folgen.
Auf den ersten Blick ist das, was gerade in Japans Politik passiert, nicht zu außergewöhnlich. Premierministerin Sanae Takaichi, erst seit Ende Oktober im Amt, möchte die Sozialpolitik ändern. Unter anderem würde ihre Regierung gerne die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel für zwei Jahre aussetzen. Das soll Verbrauchern im Land mehr verfügbares Einkommen verschaffen, so den Konsum ankurbeln und damit die Wirtschaft.
Japan leidet schon seit langem unter ähnlich schwachem Wirtschaftswachstum wie Deutschland. Weil die 64-jährige Takaichi nicht durch eine Parlamentswahl ins Amt kam, sondern weil ihr Vorgänger Shigeru Ishiba vergangenes Jahr zurücktrat, will sie sich dafür eine größere parlamentarische Mehrheit sichern. Dafür kündigte sie am Montag Neuwahlen für den 8. Februar an. So weit – so normal.
Anleihenmärkte in Japan spielen verrückt
Doch die Anleihenmärkte an den japanischen Börsen sind seitdem in Aufruhr. Die Zinsen für 30-jährige Schuldscheine stiegen von 3,25 auf 3,85 Prozent in nur zwei Tagen. Die Zinsen für 40-jährige Anleihen erreichten sogar einen neuen Rekordwert von 4,2 Prozent. So teuer waren Schulden für Japan noch nie.
Der sprunghafte Anstieg in dieser Woche ist dabei nur die Spitze des Eisberges. Seit Takaichis Amtsantritt sind die Zinsen für 30-jährige Anleihen schon um 0,6 Prozentpunkte gestiegen. Das klingt nicht viel, ist aber eine Steigerung um knapp 20 Prozent.
Japan baut seine Rekord-Schulden noch aus
Auslöser für den Anstieg ist, dass Anleger vermehrt japanische Anleihen abstoßen. Eine Auktion für neu ausgegebene 20-jährige Schuldscheine fand zuletzt kaum Käufer. Wenn wie in Japan jetzt viele Investoren mit dem Wunsch, ihre Anleihen zu verkaufen, auf nur wenige potenzielle Käufer treffen, dann sinkt zwangsweise der Kurs der Anleihe. Gibt es zum Beispiel eine Anleihe, die der Staat am Laufzeitende mit 100 Euro begleicht, für 90 Euro zu kaufen, ist das ein attraktives Geschäft. Wenn aber der Kurs einer Anleihe sinkt, dann steigen automatisch die Zinsen.
Zahlt Japan etwa 3 Prozent Zinsen auf eine Anleihe mit dem Nennwert von 100 Euro, dann sind es jedes Jahr drei Euro. Wenn Sie diese Anleihe jetzt aber für 90 Euro kaufen, bekommen Sie immer noch drei Euro Zinsen pro Jahr. Auf den Kaufpreis gerechnet sind das aber dann 3,3 Prozent. Will der japanische Staat jetzt also neue Anleihen ausgeben, muss er von Anfang an mindestens 3,3 Prozent Zinsen bieten, sonst wäre es für Anleger lukrativer, bestehende Anleihen von anderen Investoren aufzukaufen.
Neue Schulden für Japan?
Dass Anleger überhaupt so viele japanische Staatsanleihen loswerden wollen, liegt eben an Takaichis Politikkurs. Fallen im aktuellen Beispiel die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer für Lebensmittel für zwei Jahre weg, muss der Staat diesen Einnahme-Ausfall kompensieren. Investoren befürchten, dass das über neue Schulden passieren wird. Japan ist aber bereits heute der am höchsten verschuldete Industriestaat der Erde.
Für 2025 gibt es noch keine exakten Zahlen, die Schätzungen liegen aber bei einem Schuldenberg von 230 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Zum Vergleich: Deutschland liegt aktuell bei etwa 63 Prozent. Je höher diese Quote, desto unwahrscheinlicher ist es, dass ein Staat all seine Schulden bedienen kann. Wem dieses Risiko zu hoch ist, der verkauft eben jetzt seine Anleihen.
Warum das Geschehen in Japan auch Deutschland beeinflusst
Nun könnte man denken, dies sei ein rein japanisches Problem und müsse uns nicht groß interessieren, doch aus dem Fernen Osten könnten die Nachwehen bis zu uns reichen. Das liegt daran, dass Japan eben stark in den globalen Finanzmarkt eingebunden ist.
Die Sorge ist nun, dass japanische Institutionen wie etwa Versicherungen, Banken und Rentenfonds die fallende Kurse heimischer Staatsanleihen ausnutzen, um ihre Portfolios umzuschichten. Für sie könnten die günstigen japanischen Schuldscheine ein lukratives Geschäft sein.
Ausländische Staatsanleihen werden verkauft
Um Geld zur Verfügung zu haben, damit sie diese kaufen können, würden sie dann aber wohl ausländische Staatsanleihen verkaufen. Das wird wahrscheinlich primär US-amerikanische Anleihen treffen, die gerade auch nicht zu den beliebtesten gehören, aber auch deutsche. Unsere Staatsanleihen gelten global als sehr attraktiv, weil Deutschland eine hohe Kreditwürdigkeit besitzt und damit eine sichere Anlageform darstellt.
Möglich wäre also, dass zumindest bis zur japanischen Wahl am 8. Februar große Fonds aus Japan auch deutsche Anleihen verkaufen, um sich mit den aktuell günstigen japanischen Werten einzudecken. Das wiederum würde bei uns auch dazu führen, dass die Kurse unserer Staatsanleihen sinken und die Zinsen steigen. Tatsächlich ging es in den vergangenen Tagen schon nach oben, die Anstiege sind aber geringer als 0,1 Prozentpunkte bisher. Die Zinsen für deutsche Anleihen bewegen sich seit Anfang Dezember bereits in einem stabilen Band.
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