2026-02-04 05:12:00
Ein Familienausflug vor der australischen Küste endet fast in einer tödlichen Tragödie. Doch der 13-jährige Sohn holt gegen alle Widerstände rechtzeitig Hilfe.
Quindalup – Der Weg zurück an Land war weit. Doch nicht nur sein eigenes, sondern auch die Leben seiner Mutter und seiner kleinen Geschwister standen auf dem Spiel. Also nahm Austin Appelbee all seinen Mut zusammen und ließ sich bei seiner Rettungsmission von nichts und niemandem aufhalten.
, AFP PHOTO / AUSTRALIAN BROADCASTING CORPORATION (ABC)
Rund vier Kilometer schwamm der 13-Jährige durch das offene Meer, ehe er wieder Boden unter den Füßen hatte, wie die Western Australia Police Force in ihrem Bericht über die Heldentat mitteilte. Am Ende konnten auch seine 47-jährige Mutter, sein zwölfjähriger Bruder und seine achtjährige Schwester nach Stunden aus den Fluten gerettet werden.
13-Jähriger schwimmt vier Kilometer: Familie bei Bootsausflug von starken Winden überrascht
Begonnen hatte die Beinahe-Tragödie am Freitag (30. Januar) mit einem Familienausflug im Rahmen eines Urlaubs in Quindalup an Australiens Südwest-Küste. Mit aufblasbaren Paddelboards und einem Kajak fuhr das Quartett auf das Meer hinaus, wo es von starken Winden überrascht und abgetrieben wurde, wie ABC aus Australien berichtet.
„Es war eine der härtesten Entscheidungen, die ich jemals treffen musste, als ich Austin sagte: ‚Versuch‘ ans Ufer zu kommen und Hilfe zu holen, das kann ganz schnell sehr ernst werden‘“, sagte Mutter Joanne Appelbee: „Ich wusste, er ist der Stärkste und er kann es schaffen.“ Ihr selbst sei klar gewesen, dass sie bei den kleineren Kindern bleiben musste.
13-Jähriger rettet Familie: Kajak muss er wegen Wasser im Boot früh zurücklassen
Austin versuchte zunächst per Kajak zurückzupaddeln, doch weit kam er nicht, da das Boot in der rauen See schnell Wasser aufnahm. Also entschied er sich, den Weg schwimmend fortzusetzen.
„Ich habe mir einfach gesagt: ‚Alles klar, nicht heute, nicht heute, nicht heute‘“, sagte Austin: „Ich habe Brustschwimmen gemacht, Freistil und Rückenschwimmen.“ Seine Schwimmweste habe er irgendwann zurückgelassen, weil sie ihm das Vorankommen erschwert habe. Sein Erfolgsrezept umschrieb Austin so: „Ich habe versucht, mir die schönsten Dinge vorzustellen und durchzuhalten, ohne an die negativen Dinge zu denken, die mich ablenken würden.“
Seit seinem vierten Lebensjahr schwimme er. Und bislang habe er es schon als „ziemlich anstrengend“ empfunden, 350 Meter ohne Pause im Wasser zurückzulegen. Diesmal war die Strecke also mehr als zehnmal so lang. Aber die Leben seiner Mutter, seines Bruders Beau und seiner Schwester Grace standen auf dem Spiel.
Rettungsmission vor australischer Küste: Helikopter entdeckt Frau und Kinder an Paddelboard
Als er schließlich nach vier Stunden das Ufer erreichte, sei er direkt am Strand zusammengebrochen. „Aber danach musste ich noch zwei Kilometer laufen, um telefonieren zu können“, schilderte Austin. Der Notruf ging laut dem Polizeibericht gegen 18 Uhr ein. Daraufhin sei eine Such- und Rettungsaktion eingeleitet worden, beteiligt waren Beamte von zwei Polizeistationen, die freiwillige Seenotrettung und ein Rettungshubschrauber des Royal Automobile Club (RAC).

Gegen 20.30 Uhr wurde Austins in Seenot befindliche Familie vom Helikopter aus entdeckt, die Frau und ihre Kinder hielten sich verzweifelt an einem Paddelboard fest. Sie sollen sich rund 14 Kilometer von der Küste entfernt befunden haben. Ein Rettungsboot wurde zu ihnen beordert, nahm sie auf und brachte sie an Land.
Lob für 13-jährigen Lebensretter: Experte nennt Schwimmleistung „übermenschlich“
Inspector James Bradley vom South West District Office unterstrich die große Hilfe von Austin: „Das Handeln des 13-jährigen Jungen kann nicht hoch genug gelobt werden – seine Entschlossenheit und sein Mut retteten letztlich das Leben seiner Mutter und seiner Geschwister.“ Zugleich erinnerte er aber auch an die Gefahr im offenen Meer: „Dieser Vorfall erinnert uns daran, dass sich die Bedingungen im Meer schnell ändern können. Glücklicherweise trugen alle drei Personen Rettungswesten, was zu ihrem Überleben beitrug.
Pauk Bresland, Commander der Naturaliste Volunteer Marine Rescue Group, lobte laut ABC auch Austins Mutter: „Sie sagte, dass sie körperlich Schwierigkeiten hatte und nicht mehr konnte. Aber sie sagte auch, dass die Kinder ihr in die Augen schauten und sie einfach weitermachte und sie zusammenhielt. Sie ist ebenfalls eine Heldin. Diese beiden Kinder beisammenzuhalten und nicht aufzugeben, ist absolut unglaublich.“
Noch mehr erstaunte ihn aber Austins Wille und Durchhaltevermögen – zumal der eben rund zwei Stunden ohne Rettungsweste durch die Wellen geschwommen sei. Was der 13-Jährige an diesem Tag vollbracht habe, sei „übermenschlich“.
13-Jähriger schwimmt vier Stunden durch offenes Meer: Vergleichbar mit zwei Marathons
Der junge Held bekam nach eigenen Angaben von einigen „netten Damen am Strand“ etwas zu essen, nachdem er die Behörden verständigt hatte. Dann sei er „einfach ohnmächtig“ geworden. Erst im Krankenhaus kam Austin wieder zu sich und befürchtete zunächst, er sei der einzige Überlebende gewesen: „Ich hatte Schuldgefühle. Ich dachte: ‚Oh man, ich war nicht schnell genug.‘“
Doch wenig später bekam er die Nachricht, dass die Rettungsmission erfolgreich war. Den Umständen entsprechend geht es allen vier gut. Lediglich geschwollene Beine, Blasen, Prellungen und ein Ausschlag wegen des ständigen Auf- und Absteigens vom Paddelboard seien zu beklagen. Austin erscheint wegen der Schmerzen in den Beinen mit Krücken zum Interview-Termin. Die körperliche Anstrengung, die er vollbrachte, entsprach zwei Marathons, sei ihm mitgeteilt worden.
Um ihr Leben mussten auch zwei Jugendliche kämpfen, die mit einem Paddelboard mehr als 16 Stunden im Golf von Mexiko umhertrieben. Offenbar von einem Hai wurde ein 13-Jähriger schwer verletzt, als er nahe Sydney im seichten Wasser watete. Im Mittelmeer griffen Orcas eine Yacht an und brachten sie zum Sinken. Weil ein Luxus-Kreuzfahrtschiff im antarktischen Packeis steckenbleibt, rückt die US-Küstenwache mit einem Eisbrecher aus. (Quellen: Mitteilung Western Australia Police Force, ABC) (mg)