2026-01-31 15:32:00
Sie helfen im wahrsten Sinne des Wortes beim Start ins Leben. Hebammen begleiten während der Schwangerschaft, sind bei der Geburt dabei und betreuen die jungen Eltern auch im Anschluss. Sie üben unbestritten einen Job mit Sinn aus. Doch in der öffentlichen Wahrnehmung spiegele sich das nicht unbedingt wider, so das Ergebnis der Hebammenstudie 2025 der Opta data Zukunfts-Stiftung in Essen und des Instituts für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement (IZZ) an der Privatuniversität Wien, durchgeführt in Kooperation mit dem Deutschen Hebammenverband (DHV).
Expertinnen für Geburt fehlt die Wertschätzung
Die mehr als 800 befragten Hebammen beklagten vor allem mangelnde Wertschätzung. Diese drückt sich etwa aus in zu geringer Vergütung (sagten 68 Prozent) oder beim Angebot flexibler Arbeitszeiten. Aber auch in der allgemeinen Sicht auf den Beruf: So zitiert die Studie aus den Interviews mit den Beschäftigten, dass Hebammen „Expertinnen für Geburt“ und „keine Assistenzkräfte“ seien. Oder: „Die größte Last ist nicht die Arbeit, sondern dass die Gesellschaft uns nicht sieht.“ Trotzdem sagte auch eine große Mehrheit, den „schönsten Beruf der Welt“ gewählt zu haben.
Die Ausbildung erfolgt mittlerweile über ein duales Studium. Voraussetzung ist somit das (Fach-)Abitur oder eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung in der Pflege. Die Studienzeit liegt zwischen drei und vier Jahren, für die Ausbildung schließen die angehenden Hebammen einen Vertrag mit einem Krankenhaus ab. Dadurch erhalten sie auch eine Vergütung. Studienorte in NRW sind Düsseldorf, Köln, Bonn, Krefeld, Aachen und Bochum sowie Münster und Bielefeld. Die Ausbildung teilt sich gleichermaßen in Theorie und Praxis auf – Zweiteres in Kliniken sowie im außerklinischen Bereich bei freiberuflichen Hebammen, heißt es auf der Website des DHV. Zu den Ausbildungsinhalten gehören unter anderem Anatomie, Physiologie, Schwangerschafts- und Geburtsverlauf, Wochenbettbetreuung, Stillberatung, Notfallmanagement sowie rechtliche und ethische Grundlagen. Da es ein Beruf mit hoher Verantwortung ist, lernt man auch, in kritischen Situationen sicher zu handeln.
Wie der Beruf in Zukunft aussehen sollte
Damit der Beruf der Hebamme wieder attraktiver wird und es nicht zu einem Fachkräftemangel kommt, nennen die Studienautoren Vorschläge zur Verbesserung der Arbeit. In einem ersten Schritt sollten digitale Dokumentationen und Abrechnungen sowie der weitere Einsatz von KI-Tools für Entlastung sorgen. Zudem fordern sie die Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle. In einem weiteren Schritt sollen mehr Befugnisse, mehr Kompetenzen gegenüber Ärzten und eine Arbeit in multiprofessionellen Teams ohne starre Hierarchien dem Beruf der Hebamme als gesellschaftliche Schlüsselrolle gerecht werden.
„Hebammen üben ihren Beruf mit bewundernswertem Einsatz aus, haben aber mit enormen Herausforderungen zu kämpfen“, sagt Professor Thomas Druyen, Präsident der Opta data Zukunfts-Stiftung und wissenschaftlicher Leiter der Studie. Noch haben die Hebammen ihren Optimismus nicht verloren. Schließlich sorgen die Rückmeldungen der frisch gebackenen Eltern für Zufriedenheit in ihrem Job. Auch sie wurden befragt: So empfindet eine Mehrheit (62 Prozent) die Vermittlung von medizinischem Fachwissen als besonders hilfreiche Unterstützung in einer oft herausfordernden Phase.
Mehr über den Hebammenberuf, von Ausbildung bis zu Informationen für Berufstätige, auf www.hebammenverband.de