2026-02-08 09:42:00
Zerrissene Jeans, Bandage-Kleider, Statement-Ketten – die Mode der 1990er- und 2000er-Jahre erlebt seit einiger Zeit ein Comeback. Nun kehrt ein Detail zurück, das lange als modisches No-Go galt: BH-Träger werden wieder vermehrt sichtbar getragen. «Frauen zeigen derzeit wieder öfter ihren BH», bestätigt Fashion Consultant Sharon Jost auf Anfrage von 20 Minuten.
Nachdem viele Frauen jahrelang strikt darauf achteten, schulterfreie Kleider oder Oberteile mit trägerlosen Modellen, selbstklebenden Cups oder Tapes zu kombinieren, wird der BH heute wieder bewusst in Szene gesetzt und zu einem wichtigen Styleelement. Dabei geht es nicht nur um Ästhetik. Sichtbare BH-Träger werden auch als Ausdruck eines entspannteren Umgangs mit Kleidervorschriften gelesen: als Signal dafür, dass modische Regeln neu verhandelt und aufgebrochen werden.
Der Trend zeige sich heute jedoch deutlich anders als früher. «In den 2000ern achtete niemand wirklich darauf, dass die Träger zum Outfit passen. Damals trug man einfach ein Tanktop, unter dem sich ein knallpinker BH abzeichnete, und breite Träger zierten die Schultern», sagt Jost. Heute wirke das Ganze raffinierter und durchdachter. «Oft scheint es, als wären die Träger ein bewusster Teil des Outfits.» Den Trend beobachtet sie nicht nur bei Frauen der Gen Z, sondern auch bei Millennials.
Wie gehst du persönlich mit BH-Trägern um?
Vom Fauxpas zum Fashion-Statement
Prominente wie Bella Hadid, Sydney Sweeney, Scarlett Johansson oder Lily James greifen den Trend auf – sei es auf dem roten Teppich, im Alltag oder während der Fashion Weeks.
Auch auf den Laufstegen wird das einst verschmähte Detail gefeiert. Wie etwa bei Miu Miu, wo Miuccia Prada sichtbare BH-Träger bewusst ins Zentrum der Kollektion rückte: Sie lugten unter grauen Strickjacken, Kleidern und Mänteln hervor. Prada selbst ordnete den Look gesellschaftlich ein: «In dieser schwierigen Zeit brauchen wir mehr Weiblichkeit, um uns zu erheben», sagte sie an der Fashion Week.

Madonna als Vorreiterin des sichtbaren BHs
Doch nicht immer war es selbstverständlich, dass ein sichtbarer BH kein Aufsehen erregt. Zeigte sich früher ein BH-Träger in der Öffentlichkeit, galt das meist als Versehen oder Regelbruch. Lingerie war klar als Unterbekleidung definiert, ihre Sichtbarkeit gesellschaftlich kaum akzeptiert.
Einen popkulturellen Wendepunkt markierte Anfang der 1990er-Jahre Madonna. Auf ihrer «Blond Ambition»-Tour trat sie im von Jean Paul Gaultier entworfenen «Cone Bra» auf und machte Unterwäsche zur Bühnenkleidung. Der Look wurde zum Symbol einer neuen Weiblichkeit. Er wurde vielfach als Ausdruck von Selbstbestimmung gelesen, zugleich aber auch kontrovers diskutiert und keineswegs von allen als feministische Geste verstanden.

Der «Cone Bra» löste eine Welle aus und bereitete den Weg dafür, dass der BH schrittweise im Mainstream sichtbar wurde. Was zuvor provozierte, diente plötzlich als legitimes Stilmittel.
Was hältst du von sichtbaren BH-Trägern?
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