Lost Our Way as a Couple – Until Cancer Changed Everything

2026-01-27 08:53:00

Die Diagnose Krebs wirft Carolin und ihren Mann aus der Bahn. Die Krankheit verändert ihr Leben radikal – auch zum Besseren. Beiden wird klar, wie kostbar ihre Zeit ist.

Protokoll von Katrin Denecke

Als mein Mann Flo und ich uns am Strand von Teneriffa in den Arm nahmen, während unsere Jungs zufrieden Steine ins Wasser warfen, wusste ich, dass wir gerade alles richtig machen. Das war im im Dezember 2024. Knapp drei Jahre zuvor hatte mein Mann die Diagnose Krebs bekommen.

Für uns alle war natürlich erst einmal eine Welt zusammengebrochen. Unser erster Sohn war zu dieser Zeit eineinhalb Jahre alt, unser zweiter Sohn gerade einmal sechs Wochen. Ich stand also damals da mit einem Neugeborenen im Arm und mit der Angst, dass ich meinen Mann verlieren könnte.

Sofort aber habe ich versucht, positiv zu denken. Um für die Familie und vor allem für meinen Mann stark zu sein.

Wenig Familienzeit im Alltag

Bis zur Krebsdiagnose standen mein Mann und ich voll im (Berufs-)leben: Wir arbeiteten beide in Vollzeit in verantwortungsvollen Berufen – mein Mann war 41 und hatte eine Führungsposition, ich war 33 und arbeitete bis zum Mutterschutz im Vertriebsbereich eines großen Automobil-Konzerns. Zeit für uns hatten wir uns neben unseren fordernden Berufen eher wenig genommen.

Klar hatten wir die klassischen sechs Wochen Urlaub im Jahr – am Stück verreist sind wir allerdings meist nur für zwei Wochen. Auch Familienzeit blieb im Alltag eher wenig – wenn mein Mann von der Arbeit kam, warteten ja auch immer noch Dinge wie Gartenarbeit und Haushalt auf uns. Auch als Paar verloren wir uns vor lauter Arbeit und Stress immer mehr aus den Augen.

Krebs änderte unsere Sicht auf die Dinge

Und dann kam der Krebs. Und damit änderte sich die Sicht auf die Dinge. Uns wurde beiden klar, wie kostbar unsere Zeit ist und dass es nur dieses eine Leben gibt. Natürlich bin ich in den ersten Wochen nach der Diagnose in ein tiefes Loch gefallen. Doch ich war schon immer ein Stehaufmännchen und mir war schnell klar, dass die Frage nach dem „Warum“ nichts nützt und uns auch nicht voranbringen wird. Im Gegenteil.

Stattdessen fragte ich mich dann ganz bewusst, wozu das Ganze vielleicht sogar gut sein könnte. Das mag im ersten Moment paradox klingen, doch ich suchte nach etwas Positivem in diesem Horror. Nach einigen Wochen kam ich darauf, dass wir eigentlich schon seitdem wir uns kennen, davon gesprochen haben, mal eine lange Reise machen zu wollen. Wir haben es aber nie ansatzweise geplant, weil wir es immer eher auf „irgendwann“ verschoben haben. Auf irgendwann, wenn wir mal mehr Zeit und weniger Stress haben würden. Also besprach ich mit Flo, dass wir, sobald er den Krebs besiegt hat, unsere Reise starten sollten, statt sie weiter aufzuschieben.

Musste sich eingestehen, schwach und verletzlich zu sein

Doch erst einmal stand uns noch ein schwerer Weg bevor. Flo wurde bereits zwei Tage nach der Diagnose operiert und hatte in den darauffolgenden Wochen mit starken Wundschmerzen zu kämpfen. Das war natürlich schwierig, weil er nichts heben konnte, was mit einem Baby und einem Anderthalbjährigen wirklich doof war. Er war mehrere Monate krankgeschrieben.

Körperlich und mental war er fast zwei Jahre lang ziemlich am Boden. Es war schwierig für ihn, das zu akzeptieren, da er sich auch über Leistungsfähigkeit und Produktivität definiert hat. Er war vollkommen verunsichert. Sonst war er immer der starke und souveräne Mann, für den keine Herausforderung zu groß war. Und jetzt musste er sich eingestehen, schwach, verletzlich und angreifbar zu sein. Nach außen hin versuchte er, das starke Bild aufrechtzuerhalten. Zu Hause konnte ich aber sehen, wie sehr er am Boden war. Er war nach der Arbeit häufig ausgelaugt und eigentlich für die Familie gar nicht mehr so richtig da.

Jedes Mal Angst vor einem schlechten Ergebnis

Nach seiner Operation folgten alle drei Monate MRT, CT und Blutuntersuchungen. Also eine sehr engmaschige Kontrolle gemäß dem Tumornachsorgeplan. Eine Chemotherapie musste er glücklicherweise nicht über sich ergehen lassen. Trotzdem war es nicht leicht. Die ersten zwei Jahre waren in den Tagen vor der Nachsorge alle Familienmitglieder richtig aufgekratzt und angespannt.

Wir hatten jedes Mal Angst, dass beim Ultraschall oder der Blutuntersuchung ein schlechtes Ergebnis herauskommen könnte, obwohl wir natürlich versucht haben, so positiv wie möglich zu denken. Das schien am Ende auch geholfen zu haben – bis heute ist mein Mann krebsfrei.

Carolin mit ihrer Familie auf Reisen. privat

Ein Jahr auf Reisen

Und so haben wir uns dann drei Jahre nach der Diagnose Elternzeit genommen und waren quasi das ganze Jahr 2025 unterwegs: ein halbes Jahr mit dem Camper auf Teneriffa, sechs Wochen in Costa Rica, dann noch in Italien, zum Segeln in Kroatien und schließlich in der Türkei. In ein paar Wochen geht es nochmals für sechs Wochen nach Vietnam.

Jede Reise für sich war ein Abenteuer – und natürlich gab es auch die ein oder andere unvorhergesehen Panne. So entdeckte mein Mann einige Tage nach unserer Ankunft auf Teneriffa etwa, dass unser Fahrzeug einen Rahmenbruch hatte – also einen Totalschaden.

Glücklicherweise ließ sich dieses Problem nach einem längeren Hin- und Her mit der Versicherung mit einer günstigen Notreparatur vor Ort lösen. Monate später in Frankreich auf der Autobahn hatten wir dann plötzlich einen geplatzten Reifen am Anhänger. Aber auch hier ist alles gut gegangen und wir konnten uns auf dem Seitenstreifen bis zur nächsten Tankstelle retten.

Das war nervenaufreibend, gehört aber einfach dazu. Auch dass das Wetter mal nicht mitspielt und man sich zu viert mit zwei kleinen, bewegungsfreudigen Jungs in einem engen Camper doch ziemlich eingeengt fühlt, ist das ein oder andere Mal vorgekommen. Aber auch da haben wir uns schnell eingegroovt und sind trotz Wind und Wetter rausgegangen oder haben alternative Ausflüge in Einkaufszentren oder Möbelhäuser gemacht.

Wir haben es oft so betrachtet: Mit Kindern ist es immer etwas chaotisch – aber dann wenigstens an schönen Orten.

Nach überstandener Krebserkrankung des zweifachen Vaters ging die Familie auf Reisen.

Nach überstandener Krebserkrankung des zweifachen Vaters ging die Familie auf Reisen. privat

Krankheit hat uns deutlich gemacht, wie wichtig gemeinsame Zeit ist

Die Krankheit meines Mannes hat uns sehr deutlich gemacht, wie wichtig die gemeinsame Zeit mit der Familie ist und dass man sie im Zweifel nicht nachholen kann. Mir ist dies das erste Mal bereits 2019 schmerzhaft bewusst geworden, als mein Vater plötzlich Hirnblutungen bekam. Das war zwei Jahre vor seiner Rente, auf die er sich sein ganzes Leben lang gefreut hatte. Er ist seitdem ein Pflegefall.

Durch diese Erlebnisse haben mein Mann und ich unseren Fokus auf unsere Kinder und die Familie gelegt. Das ist das, was am Ende bleibt. Echte Verbindungen. Kein Geld oder Statussymbol der Welt kann man, wenn man mal geht, mitnehmen. Wir wollen die gemeinsame Zeit als Familie voll ausschöpfen. Aus diesem Grund gehen unsere Kinder zum Beispiel auch nur bis mittags in den Kindergarten.

Während unserer gemeinsamen Auszeit ist mir auch noch eine andere Sache klargeworden: Ich fühlte mich in meinem Job schon sehr lange überhaupt nicht mehr wohl – war aber in dem wohl jedem bekannten Hamsterrad gefangen. Seit September letzten Jahres bin ich jetzt selbstständig als Coach – und zwar mit vollem Herzblut. Denn auch durch den Beruf wollte ich mich nicht weiter einfach nur „durchschleppen“ und von Wochenende zu Wochenende leben.

Gerade im letzten Jahr ist mir sehr bewusst geworden, dass wir alle nicht wissen, wie lange wir wirklich hier sind. Also möchten wir als Familie die Zeit, die wir haben, am liebsten miteinander verbringen und jeden Tag voll ausschöpfen.

Erfolgreiche Neujahrsvorsätze

Aufhören zu rauchen, keinen Alkohol mehr trinken, gesünder essen, weniger am Handy hängen, sich um die Gesundheit kümmern – diese Neujahrsvorsätze stehen bei den Menschen in Deutschland immer hoch im Kurs. Wie sie gelingen können, erzählen ein paar von ihnen auf FOCUS online. Lassen Sie sich inspirieren!

Lesen Sie auch:

Leave a Comment